Elterncafé

Wir – ein multiprofessionelles und ehrenamtlich arbeitendes Team bestehend aus engagierten Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen - fördern Integration aller Schüler und Schülerinnen und erfreuen uns an der aktiven Teilhabe unserer neu zugewanderten Kinder und ihrer Familien an unserem Schulleben.

 

Die GGS an der Trooststraße mit den knapp 200 Schülern und Schülerinnen konnte bisher nicht auf eine lange Tradition im Umgang mit mehrsprachigen Kindern zurückblicken. Daher stellte die Ankunft unserer mittlerweile 24 geflüchteten Kindern uns vor eine große Herausforderung, da wir weder über Räume, Materialien, Konzepte und Erfahrungen verfügten. Wir erkannten aber darin die Chance, ganz neue Wege zu gehen. Das haben wir getan. Unser heutiges Konzept wird stetig evaluiert, modifiziert und erweitert.

 

Wir sind sehr stolz auf unsere Eltern, die ehrenamtlich und in Eigeninitiative das Elterncafé der GGS Trooststraße betreuen. Was zunächst ganz klein als mögliche Plattform zum Austausch bei Tee und Gebäck für unsere neu zugewanderten Eltern gestartet ist, hat sich zu einer Institution entwickelt, ohne die vieles in unserer Schule nicht funktionieren würde. Wir sind eine der wenigen Schulen, deren Elterncafé autonom verwaltet wird und deren „Mitarbeiter/innen“ direkt aus unserer Schule kommen. Im Laufe der letzten beiden Jahre haben wir folgende Ideen entwickelt und erfolgreich umgesetzt:

1. Internationale Notfall/Telefonliste: Notfälle, Krankheit der Kinder

Unser System der „Internationalen Telefonliste“ hat sich immens bewährt. Den verschiedenen Übersetzern ist jeweils eine Gruppe von Eltern zugeteilt. So können Informationen seitens der Schule oder OGS schnell den Eltern überbracht werden, aber auch Krankmeldungen laufen über die Übersetzer, die wiederum die Schule informieren. Dieses System ermöglicht uns, einen engen Kontakt herzustellen und im Gespräch zu bleiben. Sämtliche Einladungen zu den verschiedenen Aktivitäten laufen ausschließlich über unsere Telefonkette. Auch andere Eltern mit Migrationshintergrund wurden in diese Telefonkette aufgenommen. So fanden wir neben arabischen und kurdischen Übersetzern auch Menschen, die Englisch, Spanisch und Griechisch übersetzen können.

 

Diese Liste erhalten die ÜbersetzerInnen, Schulleitung, Klassenlehrer, OGS, VGS, Elterncafé, Lehrer und Lehrerinnen.

2. Ablagekörbchen für wichtige Informationen an die Eltern

Im Lehrerzimmer steht ein Ablagekörbchen für Informationen, die über das Elterncafé an die Eltern weitergeben werden sollen: Brückentage, „Läusebriefe“, Sportfeste usw. Die Leitung des Elterncafés leitet diese Infos mittels unserer Übersetzerinnen weiter.

Die Schulleitung erhält wiederum ein Memo von den Planungstreffen der Steuergruppe des Elterncafés.

3. Infoveranstaltungen und Flyer

Die Vertreter des Elterncafés sind bei allen schulischen Veranstaltungen mit einem Infotisch präsent und helfen beispielsweise bei den Schulanmeldungen und dem Tag der offenen Tür. Ein Flyer informiert über Aktivitäten und Ansprechpartner in den verschiedenen Sprachen.

4. Spenden für eine „Grundausstattung“

Dank unserer Eltern erhalten alle bedürftigen Kinder eine Grundausstattung (Schultasche, Mäppchen, Sporttasche, Sportzeug usw). Die Eltern des Elterncafés organisieren auch den Transport von Privatspenden (Fahrräder, Kinderbetten usw.). Wir haben mittlerweile auch Reserven von Fahrräder für das Training auf dem Schulhof.

5. Internationale Elternsprechtage: „Speed-dating“

Über die Übersetzerinnen läuft auch die Einladung zum „Internationalen Elternsprechtag“. Diese Veranstaltung findet – genau wie der Sprechtag für alle anderen Schüler und Schülerinnen - zweimal jährlich statt. Nach dem  das gesamte Kollegium und Erzieher und Erzieherinnen alle wichtigen Informationen zum Arbeits- und Sozialverhalten und zum Lernen auf einem schriftlichen Fragebogen (verpflichtende Umlaufmappe) festgehalten haben, werden die Eltern telefonisch ins Elterncafé eingeladen und erhalten dort – einem speed- dating ähnlich-  vom einem Vertreter der Lehrerschaft und der OGS/VGS aus der Hand des jeweiligen Übersetzers direkte Information über ihr Kind. Selbstverständlich können auch wichtige Fragen der Eltern geklärt werden. Wir bieten Übersetzungen in folgenden Sprachen an: Arabisch, Kurdisch, Englisch und Spanisch. Diese Möglichkeit direkte Informationen über ihr Kind in ihrer Herkunftssprache zu erhalten, wird von unseren Eltern sehr geschätzt und gerne in Anspruch genommen.  Die Internationalen Elternsprechtage stehen im Schulprogramm und finden im Mai und November statt. Im Anschluss findet eine Rückmeldung an die Klassenlehrer statt. Alle Beteiligten profitieren von dieser Kommunikation. Selbstverständlich werden im Vorfeld entsprechende Einverständniserklärungen unterschrieben. Der Fragebogen hat sich auch als Gesprächsgrundlage für die Bildungsberatungsgespräche mit dem KI (Kommunalem Integrationszentrum) bewährt, die zweimal jährlich stattfinden.    

6. Internationale Zeugnisübersetzung: „Speed dating“

Auch in diesem Fall werden die Eltern telefonisch über unsere Internationale Telefonkette eingeladen. Auch hier findet eine Art speed- dating statt. Die Eltern unserer neu zugewanderten Kinder freuen sich über unseren Service und erhalten genaue Information über ihr Kind. Die Zeugnisübersetzung findet im Januar und im Juli statt.

7. Übergangs- und Beratungsgespräche für die Viertklässler

Unseren neu zugewanderten Eltern ist das deutsche Schulsystem der vierjährigen Grundschule und der Wechsel in die Sekundarstufe oft nicht bekannt. Die offiziellen Veranstaltungen der Mülheimer Schulen finden bisher nur in deutscher Sprache statt und werden von den Eltern unsere neu zugewanderten Eltern nicht besucht. Daher haben wir im letzten Herbst erstmalig ein neues Konzept ausprobiert, in dem wir die Eltern zu zwei Veranstaltungen einladen. Im November/Dezember werden den Eltern die verschiedenen Schulformen vorgestellt. Diesmal allerdings arbeiten wir zunächst mit Simultanübersetzungen für die einzelnen Sprachgruppen. Danach finden die persönlichen Beratungsgespräche mit den Übersetzern statt. Hier können sich die Eltern eine Schulform bzw. eine Schule für Ihr Kind wünschen.

Wenn dann die endgültige Verteilung durch das KI (Kommunale Integrationszentrum) im Januar vorgenommen wurde, findet der zweite Teil der Veranstaltung statt. Mit Hilfe unserer Übersetzerinnen erklären wir den Eltern Schritt für Schritt wann die jeweiligen Anmeldungen sind und welche Unterlagen sie vorweisen müssen.

8. Sprachpatentraining: „Einfach Deutsch lernen“

Einige Eltern aus dem Team wurden als sogenannte Sprachpaten geschult und unterrichten mit unserem hauseigenen Sprachprogramm „Einfach Deutsch lernen“ die neu zugewanderten Mütter im Rahmen des Elterncafés. Dabei geht es um die Alltagskommunikation, die handlungsorientiert vermittelt wird: Gespräche mit dem Kinderarzt, Einkaufen usw. Es fand zunächst ein didaktisches Training statt, denn unsere Kursleiterinnen mussten erstmal lernen, ihre Hemmungen zu überwinden und feststellen, dass der Deutschunterricht gar nicht so schwer ist, wenn man einem bewährten Programm folgen kann. Für viele unserer Mütter war dieser Unterricht zunächst die einzige Möglichkeit Deutsch zu lernen. Mittlerweile ist das Eis gebrochen und viele Mütter besuchen die diversen Sprachkurse, die die Stadt Mülheim anbietet. Hierbei darf angemerkt werden, dass unsere neu zugewanderten Kinder es sehr spannend fanden, wenn ihre eigenen Mütter zum Deutschlernen in die Schule kamen.

9. „Lesemütter“ für die Sprachförderung

Einige Mütter aus dem Team betreuen unser spezielles Lesetraining für die neu zugewanderten Kinder. Die Kinder kommen einzeln zu einem 10 bis 15minütigen Lesen. Es gibt Laufzettel und individuelle Arbeitspläne, die auf die Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder abgestimmt sind. Auch diese Materialien sind „hausgemacht“ und starten mit einem Silbentraining bevor kleine Sätze und später Texte gelesen werden. Die Progression wird dokumentiert. Die Kinder genießen den Luxus einer Einzelbetreuung und verlieren schnell ihre Hemmungen beim Vorlesen in der deutschen Sprache.

10. Ausflug mit Seiteneinsteigern und Sprachpaten

Nicht nur unsere Eltern, sondern auch unsere Schülerinnen und Schüler engagieren sich sehr stark. Sie betreuen als sogenannte Sprachpaten ein tägliches Deutschtraining und kommen sogar 15 Minuten früher zur Schule. Dieser Einsatz wird durch eine Urkunde gewürdigt und einem Schulausflug, an dem nur die neu zugewanderten Kinder und ihre Sprachpaten teilnehmen dürfen.

Im letzten Jahr fand  der Ausflug im Haus Ruhrnatur statt und in diesem Jahr planen wir ein Picknick im Witthausbusch mit über 50 Kindern. Die Organisation und Durchführung liegt auch in den Händen des Teams vom Elterncafé.

11. Elterncafé der GGS Trooststraße als Modell für andere Schulen

Unsere vielseitigen Aktivitäten tragen dazu bei, dass sich nicht nur die geflüchteten Kinder sondern auch deren Eltern sich an unserer Schule sehr wohlfühlen, gerne zur Schule kommen und aktiv am Schulleben ihrer Kinder teilnehmen und Verantwortung übernehmen. Außerdem haben wir erfahren, dass einigen Müttern das Erlernen der deutschen Sprache in einem kleinen vertrauten Kreis im Rahmen des Elterncafés hilft, ihre Hemmschwelle abzubauen.

Unsere Flüchtlingseltern fühlen sich gut umsorgt und ernst genommen. Sie nehmen unsere Angebote gerne an und beteiligen sich aktiv an unserem Schulleben, indem sie beispielsweise auch außerhalb des Elterncafés unsere gemeinsamen Feste besuchen und mit Spezialitäten aus ihrem Heimatland bereichern. Die Möglichkeit immer und über alle Themen zu sprechen, hat uns neue Türen geöffnet und Teilhabe ermöglicht.

Der Erfolg unseres Konzeptes Elterncafé mit seinen vielfältigen Aktivitäten hat sich schnell rumgesprochen.

Andere Schulen haben uns bereits eingeladen, um das Konzept kennen zu lernen. Dabei findet der Internationale Elternsprechtag und die dazugehörige Vorbereitung immer großen Anklang.

Darüber hinaus wurden wir zu verschiedenen Veranstaltungen des KI (Kommunale Integrationszentrum) Mülheim eingeladen, um als Multiplikatoren für alle Schulformen unser Modell vorzustellen. An vielen Schulen sind unsere organisatorischen Hilfen sehr begehrt.  Dabei stellen wir unsere eigenen Umlaufbögen, Tipps und Erfahrungen gerne zur Verfügung.

Mittlerweile gibt es sogar Anfragen von weiteren Elterncafés, die unser Sprachförderprogramm „Einfach Deutsch lernen“ kennen lernen wollen.

Es ist uns in kürzester Zeit gelungen Erfolgsrezepte zu entwickeln, auszuprobieren, zu modifizieren und mit anderen Schulen zu teilen.