Sprachpatenmodell

Phase 1: Ausbildung der ersten Sprachpaten

Im Rahmen des Sprachpatensystems sensibilisierten wir Kinder der Klassen 2 bis 4 für die Schwierigkeiten der deutschen Sprache und bildeten sie mit verschiedenen Methoden zu Sprachpaten aus. Dazu nahmen die interessierten Schülerinnen und Schüler an einem speziellen Training teil, das an zwei verschiedenen Tagen jeweils für zwei Stunden durchgeführt wurde. Die ausgebildeten Paten übernahmen dann selbstständig und eigenverantwortlich ein tägliches mindestens 15-minütiges Sprachtraining mit ihrem „Patenkind“. Dieses Sprachpatentraining findet an der GGS Trooststraße vor der großen Pause statt.

So wurden dreierlei Aspekte gewährleistet: 

  1. Das neu zugewanderte Kind hat eine feste Bezugsperson, die verlässlich für es da ist.
  2. Es erhält neben der von einer Lehrkraft angeleiteten Sprachförderung (manchmal mehrmals) täglich sprachlichen Input von einem Gleichaltrigen. Dieses Peer-Tutoring senkt unserer Erfahrung nach die Hemmschwelle beim Erlernen der deutschen Sprache enorm.
  3. Auch für die deutschsprachigen Partner ist das Sprachpatentraining ein Zugewinn, da ihre sozialen Kompetenzen gestärkt werden und sie ernsthaft Verantwortung übernehmen.

Um den jungen Sprachpaten einen Leitfaden an die Hand geben zu können, an dem sie sich in ihren täglichen Übungsphasen orientieren können, nutzen wir das Programm „Einfach Deutsch lernen“. 

Das Sprachförderprogramm setzt an der absoluten Basis an, was das Erlernen der deutschen Sprache betrifft: an Nomen mit ihrem Artikel, an basalen Verben sowie an Chunks, die für die Alltagssprache im Unterricht unerlässlich sind. In Mini-Dialogen werden diese drei Aspekte mit steigender Komplexität eingeübt. Dabei unterstützt Bildmaterial das Verständnis. Das modularisierte Programm ist äußerst flexibel einsetzbar, sprich es ist für nicht alphabetisierte, nie beschulte Kinder ebenso nutzbar wie für Kinder, die bereits mit ein paar Deutschkenntnissen an die Schule kommen und in lateinischer Schrift alphabetisiert sind. Das Spektrum ist weit. Geübt wird mit einer individuellen Lernbox an dem aktuellen persönlichen Wortschatz.

 

Wir als Arbeitsgruppe stehen unseren Sprachpaten als Ansprechpartner zur Verfügung. Mal müssen Fragen geklärt werden oder es wird neues Material besprochen. Aber am Wichtigsten ist es den Paten, sich über die erzielten Erfolge ihrer Schützlinge auszutauschen. Sie haben schnell soziale Verantwortung übernommen und erfreuen sich an den Fortschritten der Flüchtlingskinder.

Als Teilnehmer des Trainings erhalten die Paten eine Teilnahmebestätigung und am Ende des Schuljahres einen entsprechenden Vermerk auf dem Zeugnis.

Phase 2: Evaluation und Ausbildung weiterer Sprachpaten durch "Sprachpaten der ersten Stunde"

Bedingt durch die wachsende Zahl unserer Flüchtlinge und dem bevorstehenden Schulwechsel der erfahrenen Viertklässler haben wir, um die Kontinuität des Sprachpatenprogramms zu gewährleisten, weitere Sprachpaten ausgebildet. Dabei entwarfen wir ein Rotationsverfahren, damit die „Sprachpaten der ersten Stunde“ ihre Erfahrungen an die neuen Paten weitergeben konnten. Sie übernahmen bereits Teile des Trainings und standen den neuen Paten auch als Tutoren während der ersten Trainingseinheiten beratend zur Seite. In einer vorausgehenden Evaluation hatten die Paten den Einsatz von Spielen und Materialien bewertet, die sie in ihrem Sprachtraining als zielführend betrachtet haben. So konnten wir garantieren, dass nur bewährte Tipps an die neuen Sprachpaten weitergegeben wurden.

Phase 3: Ausbildung von Sprachpaten an weiteren Grundschulen und weiterführenden Schulen

Mülheim an der Ruhr ist eine kleine Stadt und Erfolgsrezepte sprechen sich schnell herum. Das Kompetenzteam der Stadt Mülheim, das wiederum eng mit dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) zusammenarbeitet, gab uns die Möglichkeit im Rahmen von DaZ-Qualifizierungsmaßnahmen unsere Willkommenskultur vorzustellen. Das Sprachpatenprogramm fand großen Anklang. Mittlerweile haben wir mithilfe unserer erfahrenen Sprachpaten weitere Sprachpaten an verschiedenen Schulen in Mülheim an der Ruhr und Umgebung ausgebildet. Besonders beeindruckend war für die Viertklässler das Patentraining mit Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II (siehe Foto und Zeitungsartikel).

 

Wir als Initiatorinnen beraten die einzelnen Schulen oder die Fachkonferenzen und modifizieren unser Programm, damit das Sprachpatentraining die besonderen Bedürfnisse und Gegebenheiten der Schule berücksichtigen kann. Die Fotos und Videos bieten einen Einblick in unsere Vorgehensweise.

Phase 4: Ausbildung von Paten für den DaZ-Unterricht

Der Erfolg unser Sprachpaten für die Flüchtlingskinder hat uns ermutigt, einen Schritt weiter zu gehen. Mittlerweile begleiten weitere Paten auch unseren DaZ- Unterricht. Während die Flüchtlingskinder und ihre Paten täglich vor der großen Pause zusammen kommen, betreuen die DaZ-Paten die Kinder im DaZ- Unterricht. Unser DaZ- Konzept legt großen Wert auf individuelle Förderung. Nach einer Sprachstandsanlayse und Diagnose wird für jedes Kind ein persönlicher Förder- und Arbeitsplan erstellt. So werden je nach Bedarf Nomen, Verben, Präpositionen u.v.m. in spielerischer Form trainiert. Pate und DaZ- Kind spielen und arbeiten zusammen an einem Thema. Die Paten unterstützen den Lernprozess, indem sie das sprachliche Vorbild bieten und gleichzeitig auch korrigierend eingreifen können. Der Spaßfaktor beim gemeinsamen Lernen ist natürlich besonders groß.

Phase 5: Ausbildung von Sprachpaten für das Elterncafé

Dem außerordentlichen Engagement unserer Eltern ist es zu verdanken, dass unser Elterncafé jeden Montag stattfinden kann. Zunächst ging es darum, verschiedene Kulturen an einen Tisch zu bekommen. Der Austausch über das Schulleben in Deutschland, das gesunde Schulfrühstück, Schulfeste und Elternbriefe standen im Mittelpunkt und wurden von unseren arabisch und kurdisch sprechenden Müttern übersetzt. Da unsere Flüchtlingsmütter leider derzeitig an keinen Deutschkursen teilnehmen können, kam der Wunsch nach einem Deutschunterricht im Elterncafé auf.

 

So entstand die Idee, die Elterncafémütter als Sprachpatinnen auszubilden. Auch hier kamen verschiedene Kulturen zusammen und der Austausch und das erste Training waren ein echter Erfolg – wie man auf dem Video sehen kann. Auch die Mütter lernen mit unserem Konzept „Einfach Deutsch lernen" (Verlag an der Ruhr; Sek I/II und Erwachsene, Februar 2017).