Stiftungspreis Cornelsen

Laudatio zum 1. Preis für das Projekt „Sprachpatenmodell“ an der Gemeinschaftsgrundschule Trooststraße, Mülheim a.d. Ruhr

Die Jury des Cornelsen Förderpreises hat entschieden, dem „Sprachpatenmodell“ von Simone Schick und Anne Schachner den Förderpreis „Zukunft Schule“ zuzuerkennen. Dafür sind folgende Gründe ausschlaggebend: 

Die Preisträgerinnen sind Initiatorinnen des „Sprachpatenmodells“, das im Kontext des Gesamtkonzepts „Entwicklung einer Willkommenskultur an der GGS Trooststraße“ erarbeitet wurde. Sprachpaten sind interessierte Kinder, die eine verantwortungsvolle Beziehung zu einem Flüchtlingskind an ihrer Schule übernehmen. Nach dem eigenen Training mit hilfreichen, für das „Peer-Tutoring“ geeigneten Materialien übernehmen sie selbstständig und eigenverantwortlich möglichst jeden Tag ein mindestens 15-minütiges Sprachtraining mit ihrem „Patenkind“. In den Klassen 2 bis 4 erfolgt das in der eigenen Klasse, für Kinder der 1. Klasse übernehmen diese Aufgabe Schüler der 4. Klasse. Bis Ende 2016 wurden bereits 17 geflüchtete Kinder mit Hilfe dieses Programms integriert. 

Die Preisträgerinnen formulieren ihr Erfolgsrezept in drei Punkten:

„Das neu zugewanderte Kind hat eine feste Bezugsperson, die verlässlich für es da ist.“

„Es erhält neben der von einer Lehrkraft angeleiteten Sprachförderung (manchmal mehrmals) täglich sprachlichen Input von einem Gleichaltrigen. Dieses Peer-Tutoring senkt unserer Erfahrung nach die Hemmschwelle beim Erlernen der deutschen Sprache enorm.“

„Auch für die deutschsprachigen Partner ist das Sprachtraining ein Zugewinn, da ihre sozialen Kompetenzen gestärkt werden und sie ernsthaft Verantwortung übernehmen.“

 

Die Arbeit der Kinder wird getragen von enger Koordination und Kooperation im multiprofessionellen Kollegium, das sich in einer Ganztagsschulung mit diesem „Sprachpatenmodell“ vertraut gemacht hat. Leitfaden zur Orientierung für die Sprachpaten ist ein Programm „Einfach Deutsch lernen“, das von den Preisträgerinnen erarbeitet wurde. Darüber hinaus wurde das Sprachpatenmodell an weitere fünf Schulen vermittelt, u.a. auch an ein Gymnasium. Ab Januar werden in einem Eltern-Café der Schule auch Mütter als Sprachpaten ausgebildet. Eine Projektevaluation erfolgt am Ende des Schuljahres.

Das hier preisgekrönte Vorhaben beruht darauf, dass Lehrkräfte die Initiative ergreifen und ein systematisches Handlungskonzept entwickeln. Seine Stärken sind die enge kontinuierliche multiprofessionelle Kooperation sowie das Vertrauen in die Kinder, die eigenständig miteinander Lernen lehren. Hervorzuheben ist, dass die Kinder ein „Empowerment“ im Sinne der Selbstwirksamkeit erleben, weil die Erwachsenen beiden Seiten, den Lernenden und den Lehrenden, viel zutrauen, sie aber zugleich anleiten und unterstützen. 

Wir beglückwünschen Sie zu diesem für die ganze Schullandschaft innovativen und vorbildlichen Projekt und wünschen dem „Sprachpatenmodell“ viele Nachahmer!

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